In der Sowjetunion ist nach 1970 parallel in unterschiedlichen Kunstzweigen und bei unterschiedlichen individuellen Künstlern, Literaten und Musikern eine Tendenz zum Grotesken als Ausdrucksmittel zu beobachten. Die Ambivalenz des Grotesken, seine Monstren und absurden Zusammensetzungen erweisen sich als Spiegel der Zeit und Gesellschaft; diverse Formen von Verzerrung, Verfremdung oder grotesker Zusammenfügungen dienen als «Abbilder» der Gegenwart. Nicht zuletzt in der bildenden Kunst entstehen mit den konzeptualistischen Entwicklungen um Ilya Kabakov neue Tendenzen unter Verwendung grotesker Mittel, gleichzeitig brechen in der Literatur junge Literaten wie Viktor Erofeev und sein Kreis mit den Tabus der Vergangenheit.
Vergleichbare Gestaltungsprinzipien lassen sich auch in der Musik nachweisen, wie Alfred Schnittkes Umgang mit unterschiedlichen Stilen und musikalischen Verfremdungstechniken zeigt. Am Beispiel seiner Oper Leben mit einem Idioten sollen einige dieser musikalischen Mittel nicht nur erläutert, sondern auch parallelen Erscheinungsformen in Kunst und Literatur gegenübergestellt werden. Gerade diese Oper erweist sich als hervorragend geeignet, die besonders engen Wechselbeziehungen der Künste/Künstler nachvollziehen, treffen doch hier – zusätzlich zur Musik Schnittkes – mit der vom Autor selbst zum Libretto umgearbeiteten Textvorlage Viktor Erofeevs sowie dem Bühnenbild der Uraufführung von Ilya Kabakov Parallelerscheinungen in einem Schlüsselwerk aufeinander.


